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Test Prothesenfuß: endolite BladeXT

Vor ein paar Wochen hatte ich die Ehre ein verlängertes Wochenende einen anderen Prothesenfuß zu testen. Auf der Suche nach der idealen Kombination aus Liner, Schaft, und Fuß hat Karsten mir mal die Rennsemmel BladeXT von endolite angeschraubt. Wie es mir mit ihm erging, könnt ihr jetzt lesen.

Die Meinungen und Einschätzungen, die ich hier teile sind rein subjektiv und anderen Läufern ergeht es möglicherweise ganz anders als mir.

Rein offiziell rangiert der BladeXT unter den Sportfüßen, was auch das Design noch deutlich unterstreicht. Abgesehen von der flotten Farbgebung fällt natürlich die Federform direkt ins Auge. Ich glaube niemandem bleibt dann verborgen, dass es sich nicht um einen normalen Alltagsfuß handelt. Zusätzlich zu der Carbonfeder hat dieser endolite Prothesenfuß  eine Basisplatte. Ich finde, optisch macht er einiges her, aber darum geht es mir eher nicht.

Also habe ich ein bisschen was ausprobiert. Das erste was mir auffiel war die Feder und die Gesetze der Physik. Der Druck, den man in die Feder gibt, der kommt auch wieder zurück. Das ist zunächst etwas ungewohnt am Stumpf, ich hatte mich nach maximal zwei Stunden aber schon daran gewöhnt. Geht man mit dem BladeXT auf einer ebenen Fläche einfach so durch die Gegend, ist das Gefühl schon phänomenal gut. Ohne große Erfahrung in Sachen Prothesenkomponenten fällt es mir echt schwer mir vorzustellen, dass es noch besser geht. Das gilt auch für Berge, vorausgesetzt man geht bergauf, und Treppen, auch auf dem Weg nach oben. Hier kommt einem die Federkraft sehr zu Gute. Überhaupt federt sie wirklich gut und vermittelt trotz fehlendem Knöchelgelenks weiches, geschmeidiges Abrollen. Auch reinen Beobachtern ist mein wohl deutlich flüssigeres Gangbild aufgefallen.

Wer aber hinauf gelaufen ist, muss meistens auch irgendwann wieder herunter. Und hier verabschiedet sich das grandiose Gefühl. Denn die Feder gibt bergab zwar noch immer vorbildlich nach, aber der Druck auf den Stumpf wird sehr viel größer und auch etwas unangenehm. Hinzu kommt das fehlende Gelenk, denn jetzt ist es mir doch aufgefallen. Wo sich sonst der Fuß dem Gefälle anpasst, musste ich deutlich mehr aus Knie und Hüfte arbeiten. Insgesamt wurde es bergab doch recht wackelig. In Sachen treppab gibt es auch ein kleines Problem. Die Feder ist hinten rundgebogen und steht über. Dadurch wird der BladeXT länger als es ein Fuß normalerweise ist und man schlägt hinten bei jedem Schritt an die höhere Stufe. Den Fuß einfach weiter vorn aufzusetzen geht leider nicht so weit, dass ich flüssig Treppen herunter gehen konnte und richtig sicher habe ich mich dabei nicht gefühlt.

 

Seine Vorteile spielt dieser Sportfuß aus dem Hause endolite auf jeden Fall auf der Geraden aus. Er verlangt geradezu nach flotter Fortbewegung. Noch bin ich nicht geübt genug und es lag außerdem Schnee, also habe ich diesen Fuß nicht im joggen oder anderen sportiven Einsätzen ausprobiert. Ich kann ihn mir aber sehr gut bei laufintensiven Einheiten vorstellen! Und langsames Gehen klappt auch gut. Die Gerade, auf der man sich bewegt könnte dann vorzugsweise noch frei von Unebenheiten sein. Sind diese klein, dann werden sie einwandfrei von der Feder absorbiert, größere oder solche, die in Laufrichtung verlaufen, verzeiht der BladeXT wieder weniger und ist mir hin und wieder leicht weggekippt.

Die Basisplatte weist ein Profil auf, vergleichbar mit dem eines leichten Trekkingschuhs. Mit ihr hatte ich auch auf Schnee und einer nassen, rutschigen Wiese immer einen sicheren Tritt. Einen vergleichbaren Effekt konnte ich im Einbeinstand beobachten. Hier hatte ich trotz der extremen Federung einen besseren Stand und ein besseres Gefühl, als mit meinen bisherigen Prothesenfüßen. Ein paar andere Bewegungsabläufe musste er noch über sich ergehen lassen und ist bei einem klar durchgefallen: der seitliche Überkreuzschritt (wer mag, denkt sich hier den treffenden Fachbegriff) war für mich mit dem endolite Geschoss fast unmöglich.

Auch wenn ich gern mit ihm draußen war, drinnen muss ich mich ja auch bewegen. Und da ist mir ein wirklich großer Nachteil aufgefallen. Durch die Form und die Basisplatte kann man keinen Schuh anziehen. Was rein optisch für Einige schon ein Nachteil ist. Ich selbst lege mehr Wert auf das Gehgefühl. Blöd ist aber, wenn sich im doch sehr praktischen Profil Schnee, Matsch und kleine Steinchen verfangen haben. Diese ungebetenen Gäste wollte ich eigentlich nicht durchs Haus tragen, konnte sie aber nur schwer davon überzeugen doch bitte draußen zu bleiben. Und wenn man sich einmal genau angeschaut hat, wo man da überall herum gelaufen ist, möchte ich diesen Fuß nicht mehr über den Teppich gehen lassen, geschweige denn beim Faulenzen aufs Sofa hochlegen.

Ohne Teppich allerdings fällt wieder die Basisplatte auf. Die klackt dann nämlich bei jedem Schritt, etwa wie der Absatz eines Damenschuhs. Mich nervt das wahnsinnig – übrigens mit ein Grund, warum ich nie Absätze getragen habe. Dieses Manko könnte eine entsprechend weichere Sohle bestimmt ändern. Mein Vater war jedenfalls drauf und dran genau das Karsten ans Herz zu legen, sollte ich den Fuß behalten.

Ohne Schuh am linken Fuß, aber mit Schuh am rechten Fuß ist alles paletti. Nun laufe ich auch schonmal ohne Schuhe rum, und was passiert dann? Schwups, sind die Beine unterschiedlich lang. Denn die Länge hatte Karsten ja angepasst, als ich einen Schuh anhatte. Hätten wir ihn ohne rechten Schuh angepasst, wäre dann das linke Bein zu kurz. Und zwar so deutlich, dass ich dann schief stand. Wie ist das dann, wenn man den verbleibenden Schuh wechselt? Ideal gewiss nicht. Aber auch kein absolutes Hindernis, schließlich gibt es so viele Schuhe zur Auswahl, da findet man schon den passenden.

Und jetzt? Habe ich die Rennsemmel wieder abgegeben und mich gegen ihn entschieden. Ich wohne im Souterrain und muss täglich mehrfach eine Treppe hoch und runter, das muss also gut klappen. Außerdem wohne ich am Berg. Und ich möchte auch gern mal die Füße hochlegen können, ohne erst eine Grundreinigung machen zu müssen. Tja, im Alltag werden der endolite BladeXT und ich keine tiefere Bindung eingehen, für sportliche Aktivitäten behalte ich ihn aber definitiv im Hinterkopf!

 

Das sind nur meine Beobachtungen. Ich bekomme nichts für diesen kleinen Testbericht und möchte nur meine Erfahrungen teilen. Überzeugt euch ruhig selbst.